Marek Arnold – Interview

​Hallo Marek Arnold, schön dass Du Dir etwas Zeit nimmst für unser Interview!

Wir kennen uns schon ziemlich lange, sind befreundet. Ich kenne genau so lange deine Frau, die Kinder kamen später. Du bist ein Workaholic. Sagen deine Kinder eigentlich noch „Du“ zu Dir oder „Siezen“ sie Dich?

Hallo Uwe              , danke für die Interviewanfrage, das mache ich gern.

Ja, sicher bin ich recht „produktiv“, aber zum Glück auch effizient. Es gab Zeiten, da habe ich es sicher etwas übertrieben, aber mittlerweile versuche ich schon, mir dennoch auch ausreichend Zeit für die Kinder zu nehmen. Die Zeit mit den 3 Mädchen kann ich schließlich später nicht nachholen. Meine Arbeitszeiten und die Zeit der Proben, Auftritte und Studiojobs sind vielleicht nicht so „berechenbar“ regelmässig wie andere Jobs, aber jeder Schicht-, oder gar Montagearbeiter wird seine Kinder weniger sehen als ich.

​Du bist studierter Musiker, spielst du außer Saxophon und Keyboards noch weitere Instrumente?

​Ich komme ursprünglich von der Klarinette. Die war dann während des Studiums zumindest noch mein Zweitinstrument. Ein wenig Blockflöte und Cajon bekomme ich dann auch noch hin. 😉

​Wie kam es zur Zusammenarbeit mit SCM?

Der Erstkontakt zur Stern Combo Meissen entstand über den Treff mit Gründungsmitglied Norbert Jäger. Ein Fan und dann bereits guter Freund war mit diesem in regelmässigem Kontakt, und eines Tages nahm er mich mal zu einem Treffen mit.

Wir verstanden uns sofort gut, und

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Marek Arnold

in Folge spielte Norbert Percussions auf einem Album meiner Band „Toxic Smile“, und einmal sogar live. Als die SCM dann einen neuen Sänger suchte, brachte Norbert unseren Larry B. ins Spiel, und ein Jahr später kam plötzlich ein Anruf von keinem Geringeren als Thomas Kurzhals.

Zunächst hatte ich das für einen schlechten Scherz gehalten, auf die Ungläubigkeit über die Anfrage folgte die nackte Angst, ob ich dem überhaupt gewachsen sein kann. Als studierter Saxophonist dann in einer solchen Band als autodidaktischer Keyboarder einzusteigen, das ist schon 'ne Herausforderung. Das Material ist wirklich anspruchsvoll, ich habe wochenlang Sounds gebastelt, geübt und rausgehört, das war wirklich heavy.

Dann war ich plötzlich dabei, stand mit einer Band auf der Bühne, zu deren Gründung meine Eltern sich noch nicht einmal kannten. Das Überwerk „Weißes Gold“ gemeinsam mit den Urhebern auf den Bühnen zu interpretieren, das war schon unglaublich ergreifend. Wir haben dann das seit Jahren angekündigte Album mit vorangetrieben. Ich habe 3 Songs dafür geschrieben und produziert. Diesen Songs ist meine heutige Zusammenarbeit mit Manuel Schmid zu verdanken, der darüber auf mich aufmerksam wurde.

​Marek Arnold und CYRIL

​Heute ist er der Sänger der SCM, und wir spielen live zusammen und haben mit CYRIL und seinen letzten beiden Soloalben bereits mehrere Produktionen gemeinsam gemacht. Im Dezember erscheint nun das erste gemeinsame, deutschsprachige Album, überwiegend mit interessanten Neubearbeitungen von TS-Songs sowie Neukompositionen zwischen Artrock, Pop und Jazz.

Dass ich, zusammen mit Larry und Robert, nach reichlich 2 Jahren aus der Stern Combo ( nur scheinbar überraschend ) wieder austrat, liegt übrigens weniger an der Tatsache, daß zeitlicher Aufwand und Nutzen auseinander klafften und es Differenzen über die musikalische Ausrichtung ( Manuel hat die Combo heute in aktueller Besetzung dahin führen können, wo wir sie damals leider nicht hinführen durften ) gab, sondern vor allem meinem Harmoniebedürfnis. Für mich ist das Bandklima und ein gemeinsamer Ehrgeiz unglaublich wichtig, leider hat das mit der damaligen Besetzung nicht funktioniert.

​Österreicher und Briten

Wie begann deine Arbeit mit den Aussies und Briten? Wie kommen die an einen Ossi?

Nun, außerhalb Deutschlands interessiert es keinem, ob man Ossi oder Wessi ist. 😉

Die Zusammenarbeit mit australischen und britischen Musikern begann nach dem zweiten Album von „seven steps to the green door“. Das erschien bei „Progrock records“ in den USA, und deren Chef Shawn Gordon bekam eines Tages eine Anfrage von Guy Manning ( The Tangent, Parallels or 90 Degrees ) nach einem Saxophonisten. Er empfahl mich weiter und obwohl ich auf den Prog-Alben kaum am Sax zu hören war, fragte mich Guy dann an. Ich habe auf 3 seiner Alben Saxophon und Klarinette eingespielt. Offenbar fand er`s gut, seine Fans wohl auch 😉

​United Progressive Fraternity

​2014 kam dann über ihn die Anfrage, in die „Unitopia“ - Nachfolgeband „United Progressive Fraternity“ (UPF) einzusteigen. Innerhalb von 2 Monaten galt es, Sax- und Key-Parts zu arrangieren und einzuspielen und anschließend mal eben auf Europatournee zu gehen. So kam ich gemeinsam mit 4 Australiern und 2 Briten quer durch Europa und UK mit dieser Band. Und dank dieses Albums kann ich mich auch glücklich schätzen, mit Jon Anderson und Steve Hackett auf einem gemeinsamen Tonträger zu musizieren.

Seitdem habe ich dann regelmäßig Gastbeiträge für renommierte Acts wie Subsignal, Argos, Samurai of Prog, Karibow und viele mehr gespielt. 2016 entstand dann aus der „europäischen“ Flanke von UPF die Band „DAMANEK“. Wer findet die Bandmitglieder anhand des Bandnamens heraus? 😉 Wenig später kam mit Sean Timms ein weiterer ehemaliger Unitopia-Musiker, heute die treibende Kraft von Southern Empire, zur Band.

Während ich das schreibe, wird mir mal wieder bewußt, welches Glück ich habe, mit so vielen internationalen Wahnsinnsmusikern und Größen zusammenarbeiten zu dürfen. Im letzten Monat erschien dann bereits unser zweites Album „In Flight“.

​Toxic Smile

Du spielst in vielen Bands, SSTTGD ist die Hauptband, Toxic Smile ist Geschichte. Wo geisterst Du noch rum?

Oben habe ich ja bereits einige der Bands und Projekte erwähnt. Neben CYRIL und DAMANEK, dem Projekt mit Manuel, spiele ich noch seit 2011 in Martin Schnella`s ProgMetal-Band „Flaming Row“. Außerdem bin ich außerhalb des Progrock aktiv bei Passage, einer – ich nenne es mal „Easy Listening“ Jazz – und Popband. Dazu kommen Gastjobs, Studioprojekte wie z.B. die Mitarbeit / Mix bei „Project Patchwork“ oder Anfang des Jahres das „Artrock-Projekt“, für welches ich den Song für Dein Festival geschrieben und produziert habe.

Toxic Smile ist seit eben diesem Festival 2018 nun Geschichte, ja, leider. Mit dem Gig haben wir uns verabschiedet. Es schmerzt tatsächlich noch immer. Mit dieser Band hatte ich hohe Charterfolge mit Majorlabel in Korea, durfte im Stadion spielen, Hilton wohnen, Bandbus mit Crew nutzen oder Autogrammstunden geben. Aber trotz der geilen Musik – ja, das denke ich noch immer – war es der Band irgendwie nicht vergönnt, außerhalb Asiens ein gewisses Level in der Wahrnehmung zu überschreiten.

Es fehlten Management, Unterstützer, leider aber auch – mit etwas Abstand gesehen – der „Biß“ und „Ehrgeiz“ Aller, ihr letztes Hemd für die Band zu opfern. Am Schluss bleiben nun ReReleases der Alben bei unserem Label und tolle Erinnerungen.

Der Fokus liegt für mich jetzt tatsächlich auf „seven steps to the green door“. Bereits THE?BOOK war ein erfolgreiches Album, szenebereinigt gedacht. Spätestens mit dem letzten Output „FETISH“ konnten wir uns tatsächlich einen Namen machen. Momentan sitze ich an der Produktion des zweiten Teils zum Konzeptalbum, es wird THE?LIE heißen und, ja, es wird Killer! 😉

​Ulf Reinhardt

​Ulf Reinhardt kommt nun wirklich aus einer ganz anderen Ecke! Ich kenne Ihn sogar noch länger als Dich. Wie bist du zu einem Heavy Metal-Drummer gekommen? Du betonst auch immer, dass er sich unglaublich in die Band einbringt. Ein unglaubliches Beispiel von einem Punch-Schlagzeuger zu einem doch nun viel Filigraneren! Erstaunt mich persönlich immer aufs Neue...

Ulf kommt eher aus der Rock – und Cover-Ecke. Er hat mich nach einem Bergkeller ( ja, tatsächlich! ) - Gig mit Toxic Smile angesprochen, ob ich Lust hätte auf ein neues Projekt. Eigentlich war ich gut ausgelastet. Aber es hat sich schnell gezeigt, daß in dieser Konstellation, zusammen mit den Dir auch bekannten Heiko am Bass und Eddy an der Gitarre musikalisch super interessante Dinge passierten.

Über die Jahre hat sich die Band dann konzeptionell auf Ulf und mich konzentriert. Wir entwickeln die Songs gemeinsam. Und auch wenn Ulf naturgemäß als Drummer kompositorisch & harmonisch weniger beitragen kann, von ihm stammen dafür die meisten Grooveideen, die polyrhythmisch ja den Gesamtsound von ssttgd unglaublich prägen. Häufig aber auch Gesangsmelodien, und vor allem hat er ein unglaublich gutes Gefühl für Musik, für Stimmung, für Arrangements.

Mitunter ist es nicht einfach zu verstehen, was er gerade sagen will. Aber wenn man das erkannt hat, war es meist genau das, was der Song noch gebraucht hat. Fast noch bedeutender aber ist: er brennt wie ich für die Band und das Konzept. Das ist viel wichtiger als Progskills oder das allerletzte Quentchen Virtuosität – Ehrgeiz, Energie und Feeling. Und nicht zu vergessen: die Freundschaft.

​Europäische Eliteschule?

Du bist Lehrer an einer europäischen Eliteschule. Was muss man sich darunter vorstellen?

Eliteschule trifft es vielleicht nicht ganz. Unter dem Dach eines privaten Trägers gibt es Gymnasien, Oberschulen, Grundschule, KiGa, Internat und eben unsere Jugendkunstschule. Das greift ineinander, daher sind wir „Musikschullehrer“ in die Schulstundenpläne z.T. eingebunden. Letztlich unterrichte ich Instrumente und betreue das Tonstudio, bin aber nicht Lehrer im „Schuldienst“ vor Klassen.

​Ich bezeichne euch immer als die einzige wirkliche Progressive Band in Deutschland, vielleicht sogar in Europa im eigentlichen Sinn. Siehst du das auch so?

​Ganz sicher nicht die Einzige. Aber in der Tat haben wir immer versucht, der Band ein unverwechselbares Gesicht zu geben. Dies aber nicht durch Sounds, die Stimme eines Sängers oder bunte Schminke. Sondern dem Mut, alle Freiheiten zu nutzen. Nichts langweilt mich mehr, als die mitunter zum Verwechseln ähnlichen Bands, die – vor allem im NeoProg – sich der ewig gleichen Muster, Sounds ( hierbei meine ich nicht die Verwendung beispielsweise klassischer Keyboardsounds oder Gitarren, sondern eher die Art, diese einzubinden ) und Elemente bedienen.

Da gibt es zweifellos unglaublich virtuose, hochmusikalische Instrumentalisten und Sänger, und doch bleibt mir am Ende eine gewisse Langeweile und Vorhersehbarkeit. Spannend wird es immer dann, wenn Bands sich trauen, daraus auszubrechen. Unkonventionell zu arbeiten. Bei ssttgd spielt sich das viel im Hintergrund ab, es erscheint alles sehr melodisch, aber im Gebälk passiert unglaublich viel, polyrhythmisch, variiert, arrangiert. In der Gesamtheit ergibt das einen sehr eigenen Stil. Mit Überraschungen muss man bei uns jederzeit rechnen.

​Das Interview geht noch weiter...in Kürze findest Du hier den Text...

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