Interview Marek Arnold – Teil II

Hier findest Du den ersten Teil vom Interview Marek Arnold.

Und hier spielt er gemeinsam mit Manuel Schmid zum Progs Dinner III im Foyer des Neuberinhaus Reichenbach.

Und nun geht es weiter mit Teil II des Interviews.

Wer kam eigentlich auf die Idee „Rap“ mit R&R zu verbinden? Gerade, weil sich da vielen „Proggies“ der Magen umdrehen muß!?

So genau kann man das nicht sagen. Wir haben das nie bewußt geplant oder drüber geredet. Wir schmeissen in den Topf, worauf wir Lust haben, und was es unserer Meinung nach irgendwo gerade braucht. Das kann eben auch mal Rap sein, klassische Instrumente oder Polka. No Limits!

Ihr gehört nun zweifelsohne zu den bekanntesten deutschen Prog-Bands, im Osten die wohl Bekannteste. Worauf führst du das zurück?

Naja, es freut mich, wenn wir diesen Status möglicherweise erreicht haben. In erster Linie ist es sicher dieses Stück Wahnsinn,

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SSTTGD

an einem solchem Projekt über Jahre festzuhalten. Sich die Begeisterung dafür zu erhalten, auch wenn man eben damit in einer Subszene nicht das große Geld machen kann. Immer wieder den Ehrgeiz aufzubringen, neue Musik zu schreiben, zu entwickeln.

Vielleicht hat sich bei ssttgd auch mittlerweile herumgesprochen, daß wir zwar – gerade mit den Konzeptalben – sehr schwierige, aufwändige Themen behandeln, uns aber dennoch nicht zu ernst nehmen. In der Musik von ssttgd stecken immer wieder viele Überraschungen. So bekommt man eben auch ein eigenes Profil. Und ich denke, das Publikum dankt es. Live wie auf den Alben, eine wirklich lockere, spielfreudige Truppe zu erleben, die auch mal auf Prog-Klischees pfeift.

Wir hatten leider wirklich Pech, daß gerade, als es richtig vorwärts ging, nach der VÖ von „Fetish“ sämtliche großen Festivals und Locations anfragten, gleich 4 Bandmitglieder nacheinander zeitweise nicht oder dauerhaft nicht mehr verfügbar waren. Auslandsaufenthalt, gesundheitliche oder organisatorische Gründe, Schwangerschaft.

So haben wir die Gigs zwar ganz gut gespielt, aber es war mit neuer Besetzung natürlich nicht die Abgeklärtheit drin, die man von einer eingespielten Truppe erwarten kann. Ssttgd war immer wie eine kleine Familie, auch dies muss man sich aber immer wieder neu erarbeiten, gerade wenn die Bandmitglieder mehrfach wechseln.

THE?BOOK

Ihr beschäftigt euch auch mit religiösen Sachen, seht das sehr kritisch. Warum das?

Die Grundidee zu THE?BOOK kam mir zunächst relativ ohne tiefere Absichten. Man sollte sich als Konsument kritisch mit dem auseinandersetzen, was passiert, wenn man seine Verantwortung auf eine höhere Macht abschiebt. Oder seine Religion letztlich mißbraucht, um seine Interessen durchzusetzen.

Gemeinsam mit meinem Freund Kossi, der dann die eigentliche Story zu THE?BOOK umsetzte und schrieb, habe ich das Konzept dann entworfen. Und es kam ein Stein zum Anderen. Wir tauchten tiefer ein und entwickelten eine sehr komplexe Geschichte. Ich habe viel recherchiert und gelesen.

Immer mehr wurde THE?BOOK quasi so etwas wie ein Gegenentwurf zu den Neal Morse – und Ted Leonard-Alben. So sehr ich Morse als Komponisten und Musiker schätze und liebe, mich hatte es unglaublich genervt, als er begann, textlich zu missionieren. Diesen Fehler wollen wir nicht begehen. Toleranz und Frieden predigen letztlich alle Religionen.

THE?BOOK ist daher - aus Prinzip! - kein Angriff auf die Weltanschauung von Gläubigen an ihren Einen der tausenden weltweiten Götter. Sondern es wendet sich letztlich kritisch gegen religiösen Fanatismus, der Familien zerstört, Kriege verursacht und rechtfertigt oder eben auf jene gepredigte Toleranz pfeift.

THE?LIE

Die Story von THE?BOOK wurde letztlich so komplex und vielschichtig. Sie kam übrigens sogar als iOS App heraus. Daß man sie nicht nur sehr unterschiedlich interpretieren kann. Ich bekam auch begeisterte Mails von Christen und Muslimen. Sondern daß wir für die Weiterführung einen zweiten und dritten Teil brauchten.

Für diese hat nicht nur Kossi wieder die Storyline weitergeschrieben. Sondern wir haben mit George Andrade einen hervorragenden amerikanischen Autoren gefunden, der daraus eine tiefgreifende Geschichte und die kompletten Texte als Teil derselben geschrieben hat. 

THE?LIE wird großartig, da bin ich sicher. Einige illustre Gäste werden das Album zusätzlich aufwerten.

Dass ich gerade durch die Beschäftigung mit Glauben und Kirche während der Arbeiten am Album noch mehr zum überzeugten Laizisten, Humanisten und Pastafari wurde, mag Randnotiz bleiben. 😉

Der Prozess

Wie ist der Prozess bei euch? Machst du alles mit Ulf zusammen oder darf sich die kleine Heerschar deiner Mitglieder auch mit einbringen? Siehst du dich da als Demokrat oder eher als einen Diktator, was ja Menschen deiner Körpergröße sehr oft gemein ist . Sorry der kleine Seitenhieb musste sein! Siehe z.B. Napoleon?

Keine Sorge, ich hatte seit der frühen Pubertät etwas Zeit, mich an solche Seitenhiebe zu gewöhnen. 😉

Gewöhnlich entwickeln Ulf und ich die Grundelemente der Songs. Das kann aus einer Grooveidee von Ulf erwachsen, oder auch einem Klavierstück von mir, mitunter auch einem gemeinsamen Jam. Wir beide haben investiert und uns neben dem Proberaum ein Studio eingerichtet, in welchem wir fest verkabelt ein Drumset und Keyboards stehen haben, so kann man Ideen auch sofort skizzieren. Später finden hier auch die Drumrecordings fürs Album statt.

Aus diesen Grundideen basteln wir Arrangements, laden uns dann auch die anderen Bandmitglieder mit zum Arrangieren ein. Für THE?LIE war dann z.B. auch schon mal mein Freund Luke Machin (Maschine, The Tangent) aus London für eine Woche in Deutschland.

Besonders wichtig sind dann die Vocalsessions, die wir im Allgemeinen vor allem gemeinsam mit Lars, mitunter auch mal Anne, Jana oder Sören - wir haben ja einen Fokus auf Gesangsarrangements, durchführen. Hier entstehen dann so viele der Motive, die die Musik trotz aller Komplexität am Ende so melodisch wirken lassen.

Einbringen kann sich also jeder in der Band. Allerdings hat es sich schon so entwickelt, daß bei Ulf und mir die Fäden zusammenlaufen, wir auch die wesentlichen Entscheidungen zur Musik und Organisation treffen. Solch eine Aufteilung ist aber auch notwendig und in den meisten Bands so vorhanden - wenn man sich nicht verzetteln und die Band ja voranbringen möchte.

Damanek

Zu Damanek, wie kam es dazu? Du tourst ja auch mit Ihnen u.a. in UK?

Ich habe oben bereits kurz angedeutet, wie die Band entstand. Letztlich hatten wir nach der UPF-Europatour 2014 so einiges Material für ein kommendes 2. Album. Besonders Guy hatte einige Songs weit entwickelt. Und als es klar wurde, daß UPF wohl perspektivisch ein viel breiter aufgestelltes Projekt wird und noch lange für ein nächstes Album brauchen würde, nahm er kurzerhand die europäischen Mitglieder von UPF „an die Hand“.

Entschied, statt weiterer Manning-Alben jetzt ein neues Bandprojekt voranzutreiben. Ich war dann 2 Mal in England, um mit ihm und Dan an neuen Ideen und Arrangements zu feilen, später kam dann noch Sean Timms dazu und Gäste wurden angefragt.

Der erste Gig zum Summers End 2016 kam so blendend an, daß es frisch motiviert gleich an ein zweites Album ging. Dieses ist nun soeben erschienen und Ende des Monats soll es nun eine erste Tour der 3 Bands Damanek, Southern Empire und ssttgd geben.

So, das soll es gewesen sein, vielen Dank für den kleinen Einblick in einen kleinen großen Musiker! Musste noch einmal sein - sorry!

Sehr gern. Danke für die Fragen und viele Grüße an die Leser - ich hoffe, wir sehen uns im Bergkeller und zum Artrockfestival, wo ich mit ssttgd das neue Album vorstellen möchte, mit Manuel Schmid gemeinsam etwas aus unserem neuen Programm darbieten und mit CYRIL die Livepremiere geben werde. Und vielleicht läuft irgendwo ja auch leise mein Song fürs Festival nochmal…

Hier geht es zum Interview Teil I - falls noch nicht gelesen...

Und warum leise, wenn es auch laut geht. Der Song von Marek Arnold zum ARTROCK-FESTIVAL:

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